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Tagebuch #3

Liebes Tagebuch,

heute ist Mittwoch, der Tag vor Weihnachten. Es bricht schon wieder alles zusammen. Ich kann es sehen.
Es tut weh. Es tut so so so weh, und es ist alles meine Schuld. Es ist einzig und allein alles meine Schuld und ich bin nicht in der Lage etwas zu ändern.
Ich habe mir bestimmt zum tausendsten Mal verziehen.
Ich würde mir immer wieder verzeihen, ich würde mich immer wieder beschützen aber ich kann nicht, ich habe keine Kraft mehr.
Ich fordere von mir selbst eine Gegenleistung, die ich einfach nicht bringen kann... Ich bin unfähig und ich will nicht länger eine unfähige Person beschützen, die diese Energie nicht wertschätzt.
Ich habe mich selbst enttäuscht und ich werde keinen neuen Versuch mehr starten.
Ich mache keine Pläne mehr für die Zukunft, keine Skills, kein Garnichts. 
Wenn dieser instabile Schutzwall weg ist, wird sich schon zeigen wie es weiter geht. Entweder ich gehe kaputt und bringe das hier zu Ende, oder ich werde davor verrückt.
Ich meine, ich kann's mir vorstellen. Ich kann's mir verdammt gut vorstellen, ich erlebe es jeden Tag, ich kämpfe jeden Tag dagegen an und ich halte jeden Tag daran fest, ich bringe mich immer wieder zur Vernunft, ich erhalte mich am Leben, ich zwinge mich dazu weiter zu atmen, ich versuche mir den richtigen Weg zu zeigen, ich versuche mir selbst zu helfen.
Es klingt als hätte ich zwei Persönlichkeiten, aber ich trenne lediglich meinen Körper von meinem Geist. Naja, eigentlich bin ich ja doch beides, Eigentlich ist es doch eine Person, die verrückt wird, die hier schreibt. 
Ich hab Angst.
Ich hab so große Angst, ich will nicht sterben. Ich will mir nichts tun. Aber ich kann nicht, ich verliere die Kontrolle, und ich falle immer tiefer.
Es tut so weh. 
Ich habe das Gefühl, dass mir nicht mehr viel Zeit bleibt. 
Ich werde mir das Leben nehmen, das weiß ich. Das ist okay, ich wünschte nur die Dinge wären anders gelaufen. Ich hab's damals schon nicht verstanden.
Ich saß auf meinem Bett und habe geweint und als Papa kam und gefragt hat, was denn los sei sagte ich ihm, dass ich sterben will. Niemand hat mich jemals geliebt.
Ich war die einzige, die für mich da war.
Was er geantwortet hat war: "Das ist okay. Nichts schlimmes. Diese Phase hat jeder Jugendliche mal." 
Das ist nun Jahre her, und die Phase hält anscheinend immer noch an. Mittlerweile fühle ich nichts mehr und bekomme von der Außenwelt nicht viel mit. Ich bin in mir gefangen, nichts interessiert mich, nichts motiviert mich, nichts gefällt mir.
Ich bin kraftlos und meine Welt besteht aus Grautönen. 
Mir hätte geholfen werden können, das weiß ich. Aber ich bin nicht in der Lage mir selbst zu helfen, ich kann es einfach nicht. 
Vielleicht ist es einfach zu spät.
Vielleicht war alles was mich glücklich gemacht hat eine Illusion und in Wahrheit gibt es schon lange keine Hoffnung mehr.
Vielleicht habe ich die Endstation verpasst und sitze nun Fest in diesem Zug ins Nirgendwo.
Naja, wie auch immer. 
Dafür dass ich weder lerne, schlafe, noch sonst etwas tue sind meine Noten unglaublich gut.
Obwohl ich nicht einmal besonders intelligent bin. 
Ich verstehe es nicht.
Es ist als ob die Welt mir mit Handschuhen aus Stacheldraht die Hand reicht, und mir zulächelt. 
Sie lässt mich leiden, aber nicht zu sehr.
Sie gibt mir gerade so viel Luft um mich am Leben zu erhalten, damit sie mich weiterhin leiden lassen kann.
Sobald ich zurücklächle drückt sie mir fester die Hand, und es tut wieder weh. Es bringt mich immer wieder zum Anfang zurück.
Ich liebe diese Welt wirklich. Ich liebe alle bunten Farben. Ich würde so gerne die Polarlichter sehen. Ich liebe die Sterne und den Himmel bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Ich liebe den Geruch der weißen Heckenrosen im Sommer. Ich liebe den Geschmack von Salzwasser aus dem Meer im Sommer. Ich liebe warmen Asphalt unter meinen Füßen. Ich liebe den Wind und den Regen im Herbst. Ich liebe es wenn Schneeflocken sich auf meinen Wimpern absetzen. Ich liebe es, wenn es ganz still ist, nur die Vögel singen. Ich liebe es meiner Katze beim schlafen zuzusehen.
Diese Welt ist so wunderschön und was sie uns gibt, können wir ihr niemals zurückgeben.
Wir zerstören sie und machen sie hässlich.
Vielleicht sind die anderen einfach nur neidisch. Vielleicht schießen sie die Adler vom Himmel weil sie niemals so frei sein könnten wie sie.
Sie sperren alle Tiere in Käfige, weil sie sich selbst gefangen fühlen.
Menschen sind einsam. Jeder von uns leidet und es fasziniert mich was der Schmerz mit jedem einzelnen von uns macht.
Die Polarlichter sind nicht Grund genug um weiter zu leben. Es ist egal, ob ich sie gesehen habe oder nicht. Meine Träume sind mir egal geworden, die Umstände hier machen mich krank und eiskalt. Ich hoffe da, wo ich bald hingehe, ist es anders.
Ich hoffe ich sehe die Welt nicht nur in Grautönen, sondern in allen Farben des Regenbogens, strahlend und leuchtend, glänzend, rein, wunderschön.
Nein, es ist nicht die Welt die schlecht ist, oder gegen uns. Die Welt ist alles was wir haben, die Welt ist wunderschön.
Es sind wir selbst, wir die uns gegenseitig zerstören.
Ich glaube, dass Gott existiert, in irgendeiner Form.
Ich habe ihn noch nie gesehen, und keine Beweise aber ich glaube an ihn.
Wieso sollte er sich denn auch blicken lassen?
Wieso sollte er den Menschen noch Hoffnung geben, die alles zerstören?
Ich glaube an Gott, aber er glaubt nicht an mich. 
Er glaubt nicht an diese Menschheit, und er hat allen Grund dazu.
Wir machen alles kaputt. Wir machen uns selbst kaputt. Alles, was wir haben, zerstören wir. Bis nichts mehr da ist. 
Die Welt ist so voll.
So voll mit dieser Leere. 
Okay, genug meiner Gedanken. Gute Nacht, Liebes Tagebuch. Vergiss mich nicht.
You all have a little bit of ‘I want to save the world’ in you, that’s why you’re here. [...].
I want you to know that it’s okay if you only save one person,
and it’s okay if that person is you.”
Unknown

 

 

"Denn in meinem Kopf 
Lebt ein Parasit 
Der verdreht meine Gedanken 
Nimmt mir alles was ich liebe 
Ich durchlebe hier die Hölle 
Und ich falle auf die Knie 
Versuch, die Krankheit zu besiegen 
Doch wahrscheinlich schaff ich es nie

Das ist die Seite, die noch keiner kennt 
Zwei Herzen schlagen in der Brust von nur einem Mensch 
Du zeigst mir deine heile Welt 
Doch ich bin mir sicher, dass dir meine nicht gefällt 
Jede Entscheidung wird zu zweit gefällt 
Denn ich bin zu zweit auf mich allein gestellt 
Mein zweites Ich"
Dame - Zweites Ich

 

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Kommentare (2)
    • Liebe Akire,

      ich hinterlasse Dir hier eine Nachricht, weil ich Deinen Schmerz fühle, und ja weil ich mir Sorgen mache.....

      Ich habe Deine Zeilen gelesen, und bin sehr traurig. Unsere Tochter war auch sehr krank. Du brauchst Hilfe liebe Akire, hol Sie Dir, Du bist alt genug das Du Dich selbst um Dich kümmern kannst. Und wenn Du es alleine nicht schaffst, dann vertraue Dich einen lieben Menschen an, der Dich in die richtige Richtung bringt.

      Und vielleicht solltest Du Dich Deiner Mutter anvertrauen- die wird Dich sicherlich verstehen. Und nicht um den heißen Brei reden, sondern Klartext wie es Dir geht, und das Du Suizid-Gedanken hast. Du bist in einer Phase, wo Du es alleine nicht mehr schaffen wirst.

      Aber gib bitte nicht auf!!!

      Ich weiß was es heißt ein Kind zu verlieren, und ich glaube Du kannst Dir nicht im geringsten vorstellen, wie groß dieser Schmerz ist, den Du hinterlassen würdest.......! Du würdest nicht nur Dein Leben zerstören, sondern auch das Leben Deiner Familie.

      Bitte such Dir Hilfe!

      Liebe Grüße Tanja

      • Danke für deine lieben Worte, ich schätze das sehr aber ich weiß selbst nicht so recht wie ich mir helfen soll und wie es denn jetzt weiter gehen soll.
        Es ist ironisch dass meine Mutter mit Vornamen auch Tanja heißt, denn sie interessiert sich wirklich kein Stück für mich. 
        Ich hab einfach das Gefühl dass es zu spät ist, aber vielen lieben Dank! 

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