Anzeige
 ·   ·  Alle Beiträge von {1} ({2})
  •  ·  0 Freunde

Whiskey und The Doors

Es ist alles so leer hier. Alles erscheint unwirklich. Xhelozia sitzt hier, trinkt und raucht, starrt in die Gegend und lächelt. So, wie sie es immer tut. So, als wenn nichts wäre, als wäre es wie immer. Xhelozia ist die Ruhe selbst, macht sich so gut wie nichts daraus, was um sie herum passiert. Daneben sitze ich. Die echte. Keine billige Kopie, aber viel weniger kühl und berechnend. Und wahrscheinlich auch um einiges unspektakulärer. Ich sehe sie einfach an. Diesen leeren, unbeeindruckten Blick. Bin ich das, oder doch jemand ganz anderes? Ich schaue nur zu. Es ist das, was aus mir geworden ist.

Kia sitzt neben mir und regt sich künstlich über das "abkacken" ihres Steam Accounts auf. Bis vorhin haben wir noch Outlast 2 gezockt, wobei ich den Kontroller hatte, da ich mich nicht so leicht erschreckte. Angeblich. Ich habe mir bei jedem Jump scare die Seele aus dem Leib gebrüllt, sodass die Nachbarn von oben, unten und drei Straßen weiter noch dachten, dass Zalando mal wieder zu geschlagen hatte. Mir machte das nichts aus. Ich liebe den Nervenkitzel, den Schrecken, die Furcht, damit ich endlich wieder etwas fühlen konnte. Eine Gefühlsregung, die alles andere überdeckt.

Jetzt redet sie mit mir, liest mir irgendetwas aus dem Internet vor, was sie total faszinierte. Mich interessiert es nicht. Nebenbei schreibt mir Butchy, redet von einer Party, mit seinen Freunden, morgen. Irgendwie freue ich mich für ihn, doch andrerseits wünsche ich mir nichts mehr, als dass er aufhört mich zu nerven. Wir kennen uns schon fast eineinhalb Jahre, viel zu lange, um ihn abweisen zu können, wobei er mich braucht und ich ihn auch. Genauso lange schlafe ich schon mit ihm, keine große Sache, wir sind bloß gut befreundet. Früher hätte ich Angst gehabt, Gefühle zu entwickeln, die nicht angebracht waren, doch mittlerweile habe ich eher die Befürchtung, dass das alles war, was ich jemals wieder fühlen kann. Vertrauen? Nein. Liebe? Um Gottes Willen. Nichts hält für ewig. Wieso dann so etwas unbeständiges eingehen, um wieder verlassen zu werden? Oder zu verlassen? War es nicht so perfekt?

Mittlerweile redet Kia gar nicht mehr. Zwischendurch lacht sie bloß auf und starrt auf ihr Handy. Währenddessen telefoniert sie noch (irgendwie) über Skype mit einen Typen aus Portugal, warum auch immer. Irgendetwas muss sich ändern, nur was? Was ist richtig, was ist falsch? Wer hat Recht und wer will dich bloß verändern, damit du besser passt?

Ha, wäre komisch, wenn es nicht so traurig wäre. Ich will mich nicht verändern, für eine Gesellschaft, die sich nach und nach auffrisst. Ich will mein Traum Leben nicht aufgeben, weil mir jemand sagt, dass es nicht funktionieren wird. Ich will nicht aufgeben, was ich nie hatte, weil andere erwachsen werden. Ich will ich sein, aber wer lässt mich? Wer ich bin? Keine Ahnung. Xhelozia? Wer ist das? Keine Ahnung. Nie gehört.

Wäre ich nur bei dir. Dieser eine Mensch. Du bist, wie ich. Oder auch nicht? Ich weiß es nicht. Ich kenne dich nicht und das werde ich auch niemals tun. Du bist ein Traum. Nur real für die Menschen, die in deiner Nähe sind. Wie sehr ich sie doch beneide. Diese Traurigkeit und Eifersucht, die in mir aufkeimt, wenn ich daran denke, wie nahe sie dir sind. Dich sehen dürfen, dich berühren dürfen. Dass sie eine solche Person in ihrem Leben begrüßen dürfen. Du bist perfekt und weißt es wahrscheinlich nicht einmal. Du hast das schönste Lächeln, das ich jemals gesehen habe. Das wäre das einzige, was ich dir sagen könnte, wenn ich vor dir stünde. Du bist wunderschön. Schöner, als alles andere.

Es ist unfair, aber die Realität.

Es ist unglaublich, aber doch die Wahrheit.

  • 196
Kommentare (0)
anmelden oder beitreten , um einen Kommentar zu verfassen.
Anzeige