- · 5 Freunde
Tagebuch #2
Liebes Tagebuch,
Heute ist Papa zurück gekommen. Mama wollte ihn nicht rein lassen, ich glaube wirklich dass wir Weihnachten ohne ihn verbringen werden.
Er hat mich nicht einmal gefragt wie es mir geht.
Nur wie es in der Schule läuft, wann ich nach Prag fahre, wie mein Austauschmädchen so war, diesdas. Es war klar. Ich bin nichts.
Ich glaube nicht mehr dass es besser wird. Ich werde mich wieder schneiden. Ich will Blut sehen. Ich will wieder etwas fühlen. Ich werde niemals einen Neuanfang bekommen, ich kann nirgends hin. Ich brauche jetzt ganz viel Mut um mir das Leben zu nehmen. Ich muss dafür sehr stark und entschlossen sein.
Das kann ich. Ich schaff' das.
Heute Abend veranstalte ich eine Blutparty, und meine Rasierklingen sind meine Gäste. Wir tanzen so lange, bis das rote Meer uns in die Tiefen zieht. Dort, wo uns niemand sieht küssen wir den Schmerz solange, bis unsere Herzen brechen. Der Klang den die Splitter auf den kalten Fließen verursachen ist unsere Musik und wir tanzen zu der Melodie, die uns entzwei reist. Ich will nicht länger fallen. Ich will auf einer Blumenwiese aufkommen und explodieren, zersplittern, in tausend Teile und noch mehr, ich will dass alles was ich so sehr versucht hatte zusammenzuhalten auseinander bricht und frei ist. Alle diese tausend Teile werden wie Schmetterlinge in verschiedene Richtungen fliegen, alles was von mir übrig bleiben wird ist der Geruch der unschuldigen weißen Heckenrosen, gesprenkelt mit Blut und verziert mit den Salzkristallen von Ozeanen an Tränen. Und der Frühlingswind wird wehen und einen Sommer ankündigen, der nicht einen Sonnenstrahl zu viel enthält und nicht einen Regentropfen zu wenig. Und ich werde der Wind sein und keinen Gedanken mehr an das Organisieren einer Party verschwenden, die aus Blut besteht und alle Gäste sind Rasierklingen
Ich setz mich jetzt erstmal ans Fenster und rauch solange Kette, bis es mein Kreislauf nicht mehr zulässt.