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ktb 27.02.2015 : leben auf der grenzlinie.
in meinem kopf schwirren zur zeit gedanken wie schwarzes geiernfedernvieh über heulenden werwölfen in einer öden, trostlosen wüste ;-/ seit mir nach zahlreichen tests, mit vielen gesprächen und noch mehr ausgefüllten fragebögen, gestern die vermutete und von mir irgendwie geahnte sowie gefürchtete diagnose "borderline-syndrom" von der chefärztin mitgeteilt wurde, stehe ich, trotz leichter vorahnung, irgendwie fassungslos neben mir und sehe mir dabei zu, wie all meine schutzmechanismen versagen und dabei die bisher doch etwas schützende panzerung, des nicht wahrhabenwollens, zerfällt. dass ich nicht ganz unvorbereitet auf diese diagnose reagiert habe, habe ich einzig meiner traumhaften brit zu verdanken, die diese vermutung schon vor einigen jahren geäussert hat (gleich nach beginn unseres zusammenlebens und einige jahre vor unserer ehe). ich habe ihre vermutung natürlich als absoluten schwachsinn abgetan, weil ich mir immer sagte, wie könnte ich wenn ich borderline hätte, beruflich so eine verantwortungvolle, enorm stressige, führungsposition innerhalb des konzerns einnehmen ohne an meinen aufgaben zu scheitern, im gegenteil diese sogar mehr als perfekt zu erfüllen. auf diese frage weiss ich übrigens auch jetzt keine antwort und ich hoffe, man kann mir hier in der nächsten therapiewoche, auf diese für mich extrem wichtige frage, eine antwort geben. nach der diagnosemitteilung der chefärztin war ich erst einmal sprachlos, danach musste ich hellauf lachen weil ich mir dachte "die frau doktor ist entweder ein scherzkeks oder ich habe sie falsch verstanden und meine ungarischkenntnisse sind doch nicht so gut wie ich bisher annahm". ich brauchte etliche stunden um zu realisieren, dass die frau doktor kein scherzkeksi ist und ich doktornö szuszanna sehr wohl richtig verstanden hatte. nur gut dass in der zwischenzeit die guten abend hallo lustig tabletten gewirkt haben sonst, ich weiss nicht was. da ich keine schlaftabletten wollte, habe ich um mitternacht noch eine dieser glückspillen erhalten (gut dass ich auch zum wochenendurlaub welche mitbekomme, sonst hätte ich sicher ein ziemlich deprimierendes weekend vor mir). wo wir das wochenende verbringen weiss ich noch nicht, jedenfalls keinesfalls zu hause, das würde ich trotz pillen nicht verkraften und ich würde sicher am montag die therapie abbrechen. im übrigen war gestern der erste positive tag hier (ausser der diagnosemitteilung natürlich) und ich habe endlich die anderen therapiepatienten zur kenntnis genommen und mit ihnen, besonders mit den weiblichen gruppenmitgliedern ;-) , ausgiebig kommuniziert und dabei erfahren, dass die meisten ebenso kontaktschwierigkeiten nach ihrem eintreffen hatten wie ich und sie mich auch deshalb, in den zwei wochen seit ich hier bin, keinesfalls für arrogant oder hochnäsig gehalten haben. im übrigen haben wir beschlossen, auch in zukunft anstelle unserer gruppentherapeutischen naturwanderungen, gruppentherapeutische ausritte in die zeitweise bereits frühlingshafte natur zu machen. schön langsam bin ich davon überzeugt dass ich die therapie schaffen und wenn ich am ende fühle dass es etwas bringt, sogar verlängern werde. so und jetzt will ich euch nicht länger langweilen mit meinem heutigen kriegstagebuch eintrag. ich wünsche euch alles erdenklich gute sowie einen wunderschönen freitag und einen guten start in ein megasuperschönes wochenende!
mit allerliebsten grüssen, in gedanken (trotz der irgendwie niederschmetternden nachricht) bei euch verweilend,
euer communityfreund alfred