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1960; "Komm, o Tod, du Schlafes Bruder..." vs. "Ich lag in tiefster Todesnacht, du wurdest meine Sonne..."

 

Im Wonnemonat Mai wurde ich geboren. Ich kann mich nicht erinnern, was damals für Wetter war. Ich war ein 5-Monate-Knabe. Auch wenn später gelehrt wurde, dass der Fötus im Mutterlaib neun Monate heranreift konnte das in meinem Fall nicht sein. Mutter kenne ich nur als eine äußerst keuche Frau. Natürlich hat mich als Kind interessiert, wie eine Frau ohne Kleidung aussieht, das war mir aber immer verwehrt. Viel später habe ich beim Stöbern in den Unterlagen meiner Mutter mitbekommen, dass ich ja doch einen Vater haben muss. Sie haben im Dezember geheiratet und im Mai wurde ich geboren – klare Sache, fünf Monate.

 

Den Vater habe ich nie bewusst kennengelernt. Die Ehe wurde im Januar 1962 bereits wieder geschieden. Es mögen viele Gründe dafür vorgelegen haben. Zwei will ich nennen. Die Ehe war glaubensverschieden. Vater, im katholischen Glauben erzogen, wurde von seiner Mutter wöchentlich zum Gottesdienst abgeholt, damit er sich nicht in die falsche Kirche verlaufen konnte. Mütter sind eben ein Leben lang für ihre Kinder verantwortlich. Mutter wurde andererseits von ihrer Mutter überwacht, auch sie könnte sich in ihrem Heimatort verlaufen und den falschen Glocken folgen. Dabei hat die junge Familie im Haus von Mutters Eltern gewohnt. Wann Vater dieses Theater satt hatte werde ich wohl nie erfahren.

 

In dem Scheidungsurteil konnte ich später lesen, dass die örtliche Gerüchteküche nicht ganz falsch lag. Vater war Buchhalter und wollte sich nicht weiterbilden. Das war nun wiederum meiner Mutter ein Dorn im Auge. Immerhin hatte sie sich auch über die Arbeiter-und-Bauern-Fakultät und später per Uni-Studium zur Apothekerin qualifiziert. Eine solche Gleichgültigkeit ging ihr gegen den Strich.

 

Mir war nur ein Bild mit ihm, zu meiner Taufe im August 1960, bekannt.

 

            Ich kann nicht sagen, ob Vater mich wirklich nie sehen wollte, oder ob die Damen des Hauses ein Treffen nachhaltig zu vermeiden verstanden. Nach meinem Vater zu fragen war ungünstig. Die ältere Dame, meine Großmutter, hat schnell mal zugelangt, die jüngere, meine Mutter, verhielt sich wie ein kaputter Fernsehapparat – Bild ohne Ton.

 

Um die Vollständigkeit zu wahren möchte ich ergänzen, dass mein Vater im Juli 1966 verstorben ist.

 

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