Ein schwieriges Thema oder? Oder doch nicht?
In unserer Gesellschaft gillt es als selbstverständlich, das Leben an sich über alles zu stellen, koste es was es wolle, der Preis spielt keine Rolle. Du hast gefälligst zu leben, ob es Dir gut geht oder schlecht, ist egal - es könnte ja vielleicht auch irgendwann wieder besser werden. So der O-Ton der Gesellschaft zu dem Thema Selbstmord. Und wer nicht nach den Regeln spielt, wird zum Arzt geschickt und im schlimmsten Fall mit Pillen abgefüllt, bis man auf chemische Art und Weise gefügig geworden ist.
Vorweg muss ich sagen, dass der Selbstmord nicht das Allheilmittel ist und mir ist bewusst, dass viele Menschen den Versuch bereut haben beziehungsweise im Nachgang froh sind, dass es nicht geklappt hat. Von diesen Menschen lese ich immer wieder und es freut mich natürlich, wenn Leute ihren Lebensmut wieder gefunden haben und das ist sicherlich auch gut und richtig. Aber, so zumindest mein Eindruck, sind das Menschen, die Suizidgedanken aufgrund von momentanen Spannungen im ihrem Leben hatten, Verlust des Partners oder der Partnerin, Jobverlust, eine Krankheit die anfangs aussichtslos erschien. Menschen, die bis zu einem bestimmten Punkt allerdings das Leben genossen haben.
ABER: was ist mit den anderen? Was ist mit all jenen, und da bin ich sicher nicht der einzige auf der Welt, die die Entscheidung, gehen zu wollen, nicht aufgrund spontaner Umstände getroffen haben? Menschen, die eine einfache Bilanz machen und zu dem Schluss kommen, dass der Preis des Lebens viel zu hoch ist?
Ich kann natürlich nicht für andere sprechen, das steht mir nicht zu, aber aus meiner persönlichen Perspektive ist der Preis für das Leben zu hoch. Seit nunmehr 15 in etwa wünsche ich mir jeden Abend, einzuschlafen und einfach nicht mehr aufzuwachen. Ich möchte nichts weiter, als endlich meinen Frieden finden und nicht mehr jeden Tag kämpfen zu müssen. Und jeder Tag gleicht einem Kampf. Spaß und Freude empfinde ich schon sehr lange nicht mehr, zumindest in dem Ausmaß, dass ich sagen würde, dafür lohnt es sich morgens aufzustehen. Ich stehe auf, weil es von mir verlangt wird, weil man erwartet dass ich zur Arbeit fahre, weil man verlangt, dass ich dem System diene, meine Steuern zahle, meinen Beitrag leiste, weil die Nachbarn erwarten, dass ich den Flur putze und mir gespannt ihre Lästerein und Urlaubserzählungen anhöre, weil meine Freunde erwarten, dass ich gefälligst Spaß mit ihnen zu haben habe.
Also stehe ich jeden Morgen artig auf, erledige meine Pflicht, bis es abends endlich ins Bett geht. Wirklich zufrieden bin ich nur, wenn ich schlafe.
Natürlich freue ich mich, meine Freunde zu sehen, keine Frage, aber auch sie sind für mich nicht Grund genug, alles andere jeden Tag auf mich zu nehmen, schon gar nicht, weil es sich so falsch anfühlt.
Früher, als ganz früher, in der Pupertät und vielleicht auch schon kurz davor, definierte sich mein Leben über rein sexuelles Ausleben. Ich habs genossen und hatte, wie viele in dem Alter, nichts anderes im Kopf. Ein natürlich Trieb, der erschreckend stark ist. Im Alter nimmt das von alleine ab, man hatte seinen Spaß und damit war auch gut. Und schnell stellte sich bei mir die Frage nach dem "warum weitermachen" ein. Die Antwort war schnell gefunden, denn ich hatte Eltern um die ich mich kümmern musste. Eine Verpflichtung, die es zu erfüllen galt, denn das wird von einem erwartet. Also habe ich meine Pflicht erfüllt, ich habe jeden Tag gekämpft, mich stark gezeigt, meine Großeltern und meine Eltern bis ans Ende ihrer Reise begleitet.
Unterwegs traten neue Geschöpfe in mein Leben, zwei wirklich tolle Kater und ein Hund. Eine neue Verpflichtung war da. Ich hatte die Verantwortung, für die drei zu sorgen und auch sie zu begleiten, bis ihre Zeit gekommen war. 12 und 14 Jahre lang lebten die drei bei mir, bis zu altersbedingt verstarben. Jetzt habe ich keine Verpflichtungen mehr und möchte einfach selbst meinen Frieden finden,ganz egoistisch.
Viele werden jetzt sagen, hole dir wieder Tiere ins Haus, wenn sie dir Kraft geben, aber nein, das möchte ich nicht. Ich möchte für niemanden mehr verantwortlich sein und ich möchte mich nicht mehr zusammenreißen müssen, nur für jemand anderen. Ich habe meine Schuldigkeit getan, wie ich finde. Meine Großéltern und Eltern sind tot, ich habe sie alle bis zum Ende begleitet, ich habe keine Schulden, keine Kinder und bin niemandem mehr etwas schuldig. Ich habe über 20 Jahre in die Sozialkassen eingezahlt, meine Verpflichtungen sehr ich als erfüllt an.
Die Gesellschaft oder besser gesagt unser System hat mir absolut nichts mehr zu bieten, was mich reizt, weiter zu machen. Meine Kosten-Nutzenrechnung sagt deutlich: es reicht.
Das ist auchg kein Zustand, wo man mit dem Argument kommen kann, dass es bald wieder besser wird. Das ist in dem Zusammenhang totaler Blödsinn, denn es ist ja nichts wirklich schlecht geworden, also was sollte besser werden? Ja ich könnte mich mit Medikamenten künstlich am Leben erfreuen, aber ist das Sinn der Sache? Wenn das Leben an sich keinen Spaß macht, keine Freunde bringt, ist dann sinnvoll, diese Freude durch Chemie zu erzwingen, nur wel es der Gesellschaft gerade genehm ist? Und wem steht es überhaupt zu, zu beruteilen, ob ich, oder Menschen wie ich, das Leben lebenswert finden oder eben nicht? Ein Fremder kann diese Entscheidung nicht für mich treffen, dass kann nur einzig und alleine ich beurteilen.
Natürlich kommen erwartungsgemäß an dieser Stelle immer wieder sehr geistreiche Vorschläge wie "such dir ein schönes Hobby" oder "mach etwas was dir Spaß macht". Der Haken ist nur: das gibt es nicht. Es gibt da draußen einfach nichts, was mir so viel Freude bringt, dass ich den Rest bereit bin zu ertragen. Ein Arbeitskollege, mit dem ich offen über das Thema gesprochen habe meinte einmal zu mir: "Kopf hoch, bald zwei Wochen Urlaub, Sommer, Sonne, Erholung - ist doch geil, und dann gehts weiter." Aber rechtfertigen die 2 Wochen Sommer, Sonne, Urlaub die restlichen 50 Wochen? Die Rechnung ist, zumindest für mich, sehr einfach: NEIN.
Ich, und meine Freunde übrigens auch, halten mich für sehr selbstreflektiert. Und mir ist bewusst, was Depressionen auslösen und dass man schnell in einer Abwärtsspirale gefangen ist und natürlich habe ich mir die Frage gestellt, ob es schlicht eine Phase der Depression ist, die da zu Tage tritt.Da ich aber seit mitte meiner 20er mit dieser Einstellung jeden Tag aufstehe, würde ich es nicht mehr als Phase beschreiben. und wie bereits erwähnt, gab es ja auch eine lange Zeit immer "Dinge" zu erledigen, wie die Eltern versorgen ect.
Aber das ist jetzt seit einiger Zeit vorbei und ich komme zu dem Schluss, dass ich mir meinen Schluss eigentlich verdient habe und es macht mich traurig, dass einem diese Entscheidung einfach abgenommen wird. Niemand will sich eingestehen, dass es Menschen gibt, die einfach des Lebens müde geworden sind, auch ohne schwer krank zu sein. Denn es melden bei solchen Themen halt auch immer all jene zu Wort, die ein erfülltes Leben haben und der Meinung sind, dass muss auf jeden zutreffen oder eben jene, die einen Suizidversuch überlebt haben und danach wieder ihren Lebenswillen gefunden haben, weil es bei Ihnen nur eine Phase oder nur ein bestimmter Auslöser war. Der Rest, wird sich nicht zu Wort melden, vielleicht aus Angst für verrückt erklärt zui werden oder weil sie schlicht nicht mehr leben.
Viele Menschen nehmen sich täglich das Leben, weil sie es einfach nicht mehr ertragen. Die meisten von ihnen tun dies, ohne Ankündigung, ohne Forenbeiträge, sie machen es einfach. Denn wer viel darüber redet, will es doch auch eigentlich nicht wirklich und sucht in erster Linie Hilfe.
Nur unter welchen Umständen machen es die Menschen? Mir ist bewusst, dass das aufzählen von Methoden verboten ist, aber mal grob überschlagen sind die zur Verfügung stehen Methoden alle samt schmerzhaft, unsicher und vorallem unwürdig. Ob mit dem Auto, dem Zug oder blutend in der eigenen Badewanne,das ist menschenunwürdig und die beste Möglichkeit, in Würde gehen zu können ist zumindest in Deutschland nicht erlaubt. Eigentlich eine Schande. Mich macht es traurig, dass Menschen zum Messer greifen müssen, anstatt das man ihnen gewährt, friedlich einzuschlafen. Unter welch Qualen müssen sie ihr Leben beenden?
Bereits vor einigen Absätzen haben sich auch sicher viele gefragt, warum er denn auch in einem Forum schreibt, wenn er doch eigentlich sterben will und Forenschreiber ja in erster Linie auf Hilfe aus sind. Die Frage ist leicht beantwortet, Angst und Respekt. Ich habe Angst vor großen Schmerzen, nicht jedoch vor dem Tod selbst und ich wünsche mir doch ein bisschen mehr Respekt, für all jene, die genau so denken, empfinden und dass man ihre Situationen verstehen, und sie nicht einfach als krank abstempelt oder ihnen das Leben aufzwingen will.
Nicht für jeden ist das Leben etwas, was man genießen kann und manche Menschen macht man glücklicher, in dem man sie einfach ziehen läßt. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich der einzige auf der Welt bin, der diese Ansicht hat.
Hallo zusammen,
bevor ich loslege, wollte ich mich einmal kurz vorstellen :) Im RL heiße ich Björn, bin mittlerweile 43 und manche würden sagen, im besten Alter des Lebens. Allerdings wiegt das Leben an sich in meiner Sicht und auf mich bezogen, nicht sonderlich schwer, aber dazu an anderer Stelle mehr. Der Benutzername, den ich an vielen Stellen nutze, ist in dem Zusammenhang auch nicht willkürrlich gewählt, denn ein Phönix muss auch erst vergehen, bevor aus ihm etwas Neues enstehen kann.
Ich habe eine sehr spezielle Einstellung zum Thema Tod und Suizid, die nicht viele Menschen teilen, denn ich ein großer Verfechter der Selbstbestimmung. Allerdings nicht nur auf diese Themen bezogen, sondern das ist einer meiner Grundsätze überhaupt. Ich finde, dass jeder über sein Leben, seine Lebensart und seinen Lebensstil selbst und frei entscheiden können soll, solange es andere Menschen nicht beeinträchtigt.
P
Ich habe die Entscheidung, gehen zu wollen, ja schon vor langer Zeit getroffen. Vor Jahren hatte ich mal mit meinem damaligen Hausarzt darüber gesprochen, aber wirklich ernstgenommen hat er das nicht und meinte nur, dass er mir eine Überweisung zum Psyhcologen geben kann, wenn ich der Meinung bin, das wäre hilfreich.
Naja....muss man nix zu sagen.
Kontakt zu einem Verein hatte ich in der Tat, aber wirklich helfen können die einem nicht. Vorallem aus rechtlichen Gründen. Es fallen am Rande zwar Tips wie das Buch von diesem Holländer, der einige Mehtoden beschreibt, aber viel mehr kommt da auch nicht.
Und zum sterben ins Ausland, vorallem wenn man nicht krank ist, ist ebenfalls unmöglich, da auch die Schweiz ihre Regeln angepasst und verschärft hat. Wie es in Ländern wie Thailand oder so aussieht, weiß ich nicht. Dort gäbe es sicher die Möglichkeit, einen moralisch flexibeln Arzt finden, aber ohne Connections kann man das vergessen.
Dann habe ich versucht an Nembutal zu kommen, das ist ja das Mittel was Dignitas benutzt. In Deutschland nicht zu kommen, auch nicht auf illegalem Weg, keine Chance. In Polen wird das als Narkosemittel eingesetzt und ich hatte Kontakt zu einem Arzt dort, aber der sagte, dass die Auflagen so streng sind, dass es unmöglich ist, auch nur wenige Gramm aus dem Krankenhaus zu schmuggeln.
Es bleiben somit faktisch nur die klasschen Wege, von denen man hin und wieder in der Zeitung liest.
ich meine, ganz streng genommen, verstößt der Umgang mit dem Thema im Grunde sogar gegen unser Recht auf Selbstbestimmung. Nur vor Gericht kommt damit niemals durch, weil es natürlich schwer ist, zu unterscheiden, wer das aus einer Laune heraus macht oder wer es wirklich und bewusst will. Und da deutsche Richter selbst schwer kranken Menschen dieses Recht nicht eingestehen, braucht man rechtsweg auch nicht erst versuchen.
Mir sagte mal jemand, der sehr gläubig ist, dass Gott mich schon zu sich holt, wenn er meint, meine Zeit wäre gekommen und deshalb ist Selbstmord nicht die Lösung. Aber Gott gab uns auch den freien Willen und der sagt nunmal, dass es Zeit ist. Kann man also auch so oder so sehen.
Aber ja, schwierig alles. Dabei könnte alles so einfach sein.